Waren- | Kreditversicherung | Wissen
Kreditversicherung ist der Überbegriff für Warenkreditversicherung (WKV), Ausfuhrkreditversicherung (AKV) und Investitionsgüterkreditversicherung (IKV)
Die Basis der Kreditversicherung ist der Lieferantenkredit, bei dem einem Abnehmer einer Ware oder Dienstleistung ein Zahlungsziel eingeräumt wird.
Der Lieferantenkredit ist für die Wirtschaft im so genannten B2B-Geschäft (also im Geschäftsleben zwischen gewerblichen Abnehmern) ein unabdingbares Finanzierungsmittel, ohne das der Waren- und Dienstleistungsverkehr nicht funktionieren würde.
Für den Abnehmer bietet der Kredit seines Lieferanten erhebliche Vorteile, für den Lieferanten stellt er jedoch ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar: Bei einer Insolvenz drohen Forderungsausfälle.
Das Risiko des Forderungsausfalles kann der Lieferant versuchen zu verkleinern, indem er sich ständig zuverlässige Informationen über die Bonität seiner Geschäftspartner beschafft. Ebenso kann die wirksame Realisierung des Eigentumsvorbehalts den Forderungsausfall reduzieren. Für Dienstleistungen und kundenspezifische Warenlieferungen ist diese Sicherheit jedoch ohne Relevanz.
Angesichts dieser Gesamtkonstellation bietet sich für einen risikobewussten Lieferanten der Abschluss einer Warenkreditversicherung bzw. Ausfuhrkreditversicherung (als sog. Mantelvertrag) an.
Gegenstand einer Kreditversicherung ist der Ersatz von Ausfällen an Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen, die durch Zahlungsverzug und Zahlungsunfähigkeit versicherter Kunden entstehen.
Investitionsgüterkreditversicherung ist eine spezielle Variante der Kreditversicherung. Sie schützt sowohl vor den Folgen eines Forderungsausfalles als auch vor Bonitätsrisiken des Kunden während der Fabrikationszeit. Die Kreditversicherer decken diese Lieferantenrisiken bis zu 60 Monaten Laufzeit ab. Deshalb bildet die IKV eine Grundlage für die Finanzierung größerer Investitionsgüter mit mittel- und langfristigen Laufzeiten.
Versicherbarkeit
Ausfälle an Forderungen aus Warenlieferungen, Werk- und Dienstleistungen, die während der Laufzeit des Versicherungsvertrages durch Zahlungsunfähigkeit versicherter Kunden im In- und Ausland entstehen.
Dies betrifft i. d. R. die Forderungen, die nicht bar bezahlt oder durch Akkreditive und andere Sicherheiten abgesichert werden.
Fabrikations- und Forderungsrisiken aus Geschäften mit Maschinen und Anlagen können versichert werden.
Im Speziellen können Ausschnittsdeckungen für gewisse Branchen, Produktgruppen, Kundengruppen, Länder usw. dargestellt werden, solange sich der zu versichernde Forderungsbestand klar und eindeutig definieren und abgrenzen lässt und eine entsprechende Risikomischung mit ausreichendem Volumen vorhanden ist.
Der sog. “vorgezogene Versicherungsfall” (Nichtzahlungstatbestand oder protracted default) kann ebenfalls versichert werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Kunde nicht zahlen kann oder nicht zahlen will.
Versicherungseintritt
Der Kreditversicherer entschädigt den Forderungsausfall nach Eintritt des Versicherungsfalles, der gemäß den gängigen Versicherungsbedingungen wie folgt gegeben ist:
Bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens oder Ablehnung mangels Masse.
Bei Eröffnung des gerichtlichen Vergleichsverfahrens.
Bei Erzielung eines außergerichtlichen Quoten- oder Liquidationsvergleichs mit sämtlichen Gläubigern.
Die Zwangsvollstreckung beim Abnehmer durch den versicherten Lieferanten verlief ohne volle Befriedigung.
- Möglichkeit des vorgezogenen Schadenfalles “protracted default” (Nichtzahlungstatbestand).
Vorteile einer Waren- | Kreditversicherung
Wichtige Punkte, die für den Abschluss einer Forderungsausfallversicherung sprechen:
- Schutz vor Forderungsausfällen ist kalkulierbar - Forderungsausfälle nicht!
Ca. 1/3 aller Insolvenzen in Deutschland sind sog. Folgeinsolvenzen, die auch bei bester Prüfung und Kenntnis des Marktes oder des Debitors nicht verhindert werden können.
Durch umfassenden Deckungsschutz einer WKV für alle Kunden im In- und Ausland oder für einzelne große existenzgefährdende Einzelrisiken können mit kalkulierbaren Kosten (Prämien, Gebühren) unkalkulierbare Forderungsverluste verhindert werden. - Laufende Bonitätsprüfung durch den Kreditversicherer - Frühwarnsystem
Schnelle zuverlässige Kreditinformationen, auch über die Kunden im Ausland, verbessern die Qualität des Kundenstammes. - Sicheres Neugeschäft - nur für "gut" empfundene Kunden sollten beliefert werden
Fundierte Neukundenanalysen stellen auch neue Geschäftsverbindungen auf sichere Beine. - Schnelle und günstigere Kreditentscheidungen per Online
Direktzugriff auf die komplette Datenbank des Kreditversicherers - Kreditentscheidungen direkt am Bildschirm bringen mehr Entscheidungsflexibilität. Geringere Selbstbeteiligung im Schadenfall und günstigere Prüfungsgebühren senken die Kosten. Weitere Vorteile sind die permanente Erreichbarkeit, eine genaue Adressidentifizierung, die papierlose Bearbeitung und die Zeitersparnis. Die notwendige Software wird i.d.R. kostenlos zur Verfügung gestellt. - Prompte Entschädigung bei Forderungsausfall oder Nichtzahlung durch Zeitablauf
Der Forderungsausfall wird schnell und unbürokratisch entschädigt. Ertragseinbrüche und Liquiditätsengpässe bleiben aus. - Erhaltung der Bonität bei Forderungsausfall
Die Abtretung der Auszahlungsansprüche an die Bank ermöglicht ggf. die Ausweitung der Kontokorrent-Kreditlinie. - Maßgeschneiderte Versicherungskonzepte heute möglich
Flexible Vertragsgestaltung durch Anpassung an Länder- und Branchenusancen, Kundenstruktur und Zahlungsziele.

- Jan Bratenstein
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